ND-Filter | Was man darüber Wissen muss…

Immer wieder findet man im Internet tolle Landschaftsaufnahmen von Seen oder Meeren wo das Wasser fließend und weich dargestellt wird. Gerade dieser Look verleiht jenen Fotos eine besondere Atmosphäre. Aber wie werden solche Bilder eigentlich gemacht? Grundsätzlich benötigt Ihr für solche Fotos erst einmal eine gute Kamera die manuelle Langzeitbelichtung zulässt. Hier bieten sich DSLR Kameras an. Weiterhin benötigt Ihr ein gutes und stabiles Stativ und natürlich ein passendes Motiv. Grundsätzlich kann man mit diesen drei Dingen schon fast loslegen. Problem ist nur, wollt Ihr Langzeitbelichtungen mit nur der normalen Kamera machen, benötigt Ihr eine gewisse Dunkelheit damit die Fotos nicht überbelichtet werden.

Am Tage sind solche Bilder daher ohne weiteres Zubehör nicht möglich. Selbst mit einer geschlossenen Blende, was sich zudem negativ auf die Schärfe auswirkt, schafft man keine Verschlusszeiten zwischen 2-5 Sek. um das Wasser weich fließen zu lassen. Ohne Zubehör muss man also die Aufnahme in die Dämmerung oder Nacht verlegen. Wer aber dennoch am Tag fotografieren möchte, benötigt einen so genannten Graufilter oder auch ND-Filter (Neutraldichtefilter) genannt. Einfach gesagt, schluckt jener Graufilter Licht und ermöglicht so auch am Tag längere Verschlusszeiten.

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Foto: Agasi Photography

Wer also am Tag Langzeitaufnahmen machen möchte, für den ist ein ND-Filter das richtige Werkzeug. Ohne den Neutraldichtefilter ist das einfallende Licht einfach zu hell und die Kamera kann nur mit kurzen Verschlusszeiten richtig belichten. Für ein samtig weiches Wasser oder menschenleere Architekturaufnahmen benötigt man tagsüber lange Verschlusszeiten welche nur durch den ND-Filter möglich werden.

Was genau ist ein ND-Filter?

Ein ND-Filter (Neutraldichtefilter) besteht aus einer Glas- oder Kunststoffscheibe mit optischer Güte. Dieser Filter wird vor das Objektiv gesteckt. ND-Filter gibt es als Schraubfilter sowie als Steckfilter mit entsprechender Fassung. Jene Filter gewährleisten eine gleichmäßige Abdunklung im Motiv. Weiterhin werden Graufilter beim Filmen verwendet oder auch in der Lichttechnik. ND-Filter sind homogen neutralgrau gefärbt und verfälschen somit die natürliche Farbwiedergabe nicht. Beim Fotografieren ermöglichen diese Filter, die einfallende Lichtmenge zu vermindern und dadurch die Verschlusszeit zu verlängern. Dadurch kann auch am Tag ein Wisch- und Fließeffekt bei Wasser oder Wolken erzielt werden. Auch bei Architekturaufnahmen finden ND-Filter ihre Anwendung. Mit ihnen lassen sich störende Personen oder Autos vor Gebäuden herausfiltern. Auch in diesem Anwendungsfall bedarf es einer Langzeitbelichtung.

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Welche ND-Filter gibt es?

ND-Filter (Neutraldichtefilter) gibt es in verschiedenen Stärken. Allerdings muss man hierbei aufpassen. Die Hersteller der Filter verwenden oft unterschiedliche Angaben. Einige Hersteller verwenden die Blendenreduktion (z.B. B+W) des Filters als Angabe, andere wiederum die Dichte (z.B. Heliopan). Eine Übersicht zu den verschiedenen Stärken und Verlängerungsfaktoren seht Ihr in der nachfolgenden Tabelle.

Tabelle für die Berechnung der Belichtungskorrektur bei Verwendung von Neutraldichtefiltern

ND-Filter Stärke Durchlässigkeit Blendenstufen Verlängerungsfaktor
0,3 50 % 1 2x
0,6 25 % 2 4x
0,9 12,6 % 3 8x
1,2 6,3 % 4 16x
1,5 3,1 % 5 32x
1,8 1,6 % 6 64x
2,0 1,0 % 6,66 100x
2,1 0,8 % 7 128x
2,4 0,4 % 8 256
2,7 0,2 % 9 512
3,0 0,1 % 10 1000x
4,0 0,012 % 13 10.000x

Bei ND-Filter ab 2,0 sollte man aufpassen. Ab dieser Stärke ist der Sensor in der Kamera nicht mehr in der Lage eine richtige Belichtungszeit zu berechnen. Hierbei müsst Ihr Euch der Tabelle bedienen und die Belichtungszeit manuell ausrechnen. Habt Ihr z.B. einen ND 2,0 Filter und die Kamera errechnet im AV Modus eine Belichtung ohne Filter von 1/500 s, so wäre die korrekte Belichtungszeit mit ND 2,0 Filter 1/5 s. Mit einem ND 3,0 Filter verlängert sich im selben Fall die Belichtungszeit auf 2 s. Mit ein wenig Übung sollte das also kein Problem sein.

Tipp: Die Korrekturtabelle funktioniert bei ND-Filtern bis 1,8 ganz passabel. Über 1,8 solltet Ihr aber eine Zeitstufe länger belichten.

Tabelle mit veränderten Belichtungszeiten

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Tabelle mit veränderten Belichtungszeiten bei der Verwendung von ND-Filtern (Graufiltern)

Hier könnt Ihr die Tabelle als PDF downloaden.

Die Umrechnung

Bei ND-Filtern mit Dichte 0,9 wird man noch mit aufgeschraubten Filter die Belichtungszeit wie gewohnt mit der Kamera messen können. Spätestens bei einem Filter mit Dichte 3,0 wird das nicht mehr gehen. Die meisten Kameras erlauben im Automatikmodus (Programmautomatik, Zeit- oder Blendenautomatik) eine Belichtungszeit von max. 30 sek. Für ziehende Wolken wird man jedoch zwei bis drei Minuten lang belichten müssen. Das bedeutet spätestens hier versagt der interne Belichtungsmesser in der Kamera. Also muss man jetzt ohne Graufilter die Belichtungszeit messen, umrechnen und die errechnete Belichtungszeit im Modus M auswählen. Natürlich bei gleichbleibender Blende und Empfindlichkeit (ISO). Und natürlich den Filter vor der Aufnahme draufschrauben. Bei starken Filtern kann auch der Autofokus u.U. mit dem ND-Filter nicht mehr richtig arbeiten. Deshalb auch den Autofokus nach dem Messen und fokussieren auf Manuel stellen.

Gerade das Umrechnen der Belichtungszeit bzw. Blende bereitet Anfängern oft Schwierigkeiten. Hierzu habe ich zwei Tipps: Die Schraubfilter kommen in einer Kunststoffbox. Einfach zu Hause die gewöhnlichen Belichtungszeiten ausrechnen, eine kleine Tabelle am PC machen, ausdrucken und auf die Box kleben.

Für das Smartphone gibt es auch einige kostenlose Apps. Hierfür müsst Ihr mal googeln und einfach mal durchprobieren.

Kann man mehrere Filter kombinieren?

Ja das kann man und in der Praxis wird dieses Verfahren sogar sehr häufig angewendet. Bis auf eine leicht Vignettierung die durch den Aufbau mehrere Filter entsteht hat das Kombinieren keinerlei Nachteil auf die Bildqualität. Hierbei müsst Ihr allerdings darauf achten die Gesamtdichte zu berechnen, um so wiederum die Blendenreduktion und den Verlängerungsfaktor zu erhalten. Hierfür müsst Ihr entweder die beiden Dichten addieren oder aber die Filterfaktoren multiplizieren. Hier mal ein einfaches Beispiel dazu:

Dichte 0,9 + 1,5 2,4
Filterfaktor 8 x 32 = 256x
Blendenreduktion 3 + 5 8

Variable ND-Filter

Neben ND-Filtern mit festen Werten gibt es noch die variablen Filter. Ein variabler ND-Filter basiert auf dem Polarisationsprinzip, bei dem die Stärke durch drehen variiert wird. Diese Filter bestehen aus einer festen und einer drehbaren Scheibe. Duch drehen kann die Lichtmenge eingestellt werden. Die polarisierenden Linsen sind bei variablen ND-Filtern aufeinander abgestimmt. Randstörungen werden bei dieser Filterart vermieden, eine gleichmäßige und homogene Abdunklung des einfallenden Lichtes wird gewährleistet.

Was benötigt man für eine korrekte Langzeitbelichtung mit ND-Filter?

  • Kamera
  • Stativ
  • ND-Filter
  • optional einen Fernauslöser
  • Okularabdeckung
  • Korrekturtabelle für die Berechnung der Belichtungszeit

Tipps für Langzeitbelichtungen mit Graufilter.

  • Es mach Sinn gleich im Vorfeld die korrekte Belichtung zu errechnen. In einigen Fällen läuft man sonst Gefahr, dass Motiv nicht mehr fotografieren zu können.
  • Bei Langzeitbelichtungen sollte die Blende nicht größer als f16 sein. Abhängig vom Objektiv führen kleine Blenden zu Unschärfe im Bild.
  • Langzeitbelichtung erfordert Geduld und einiges an Erfahrung. Gebt also nicht gleich beim ersten Misslingen auf.
  • Benutzt nur Qualitätsfilter und keine billigen ND-Filter aus China. Bei ND-Filtern empfehle ich die Hersteller B+W, Cokin, Hoya und Heliopan.
  • Um Wolken verwischen zu lassen empfiehlt sich am Tag ein ND 3,0 Filter. Je nach Wetter solltet Ihr eine Belichtungszeit zwischen 40 und 120 Sekunden wählen.
  • Um Meeresbewegungen zu glätten solltet Ihr im Minutenbereich belichten. Bei Seen und Flüssen reichen oft schon ein paar Sekunden.
  • Fallende Gewässer wie Wasserfälle verwischen schon ab 1/60 sek.
  • Für samtweiches Wasser solltet Ihr tagsüber einen 1000-fach ND-Filter verwenden. Dieser erlaubt auch bei Sonnenlicht eine lange Belichtung.
  • 64-fach ND-Filter sind gute Allrounder zum immer dabei haben. Hiermit lassen sich gute Ergebnisse am Tag erzielen und sie sind ideal für fließende Gewässer.

Fotografieren mit dem ND-Filter – so gehts!

  1. Stellt Eure Kamera auf ein stabiles Stativ und deaktiviert den Bildstabilisator wenn einer vorhanden ist.
  2. Wählt nun die gewünschte Brennweite, den Bildausschnitt und die Blende. Am besten im AV Modus der Kamera.
  3. Fokusiert Euer Motiv mit dem Autofokus und schaltet den Autofokus im Anschluss ab. Alternativ manuell fokusieren.
  4. Drückt den Auslöser leicht durch und lasst die Kamera die richtige Belichtungszeit ermitteln. Merkt Euch diesen Wert.
  5. Schaltet die Kamera in den manuellen Modus (M) und stellt die vorher ermittelten Werte wieder ein. Natürlich kann auch im manuellen Modus eine Belichtung ermittelt werden.
  6. Platziert jetzt den Graufilter an Eurem Objektiv und verdeckt den Sucher mit der Okularabdeckung.
  7. Ermittelt anhand Eures Filters und der Korrekturtabelle die Belichtungszeit für Eure Aufnahme. Stellt den Wert ein. Belichtungszeiten über 30 Sekunden müsst Ihr die Kamera in den Bulb Modus versetzten.
  8. Um ein Verwackeln zu verhindern, stellt die Spiegelvorauslösung an der Kamera ein.
  9. Löst nun die Aufnahme mittels eines Fernauslösers aus. Im Bulb Modus steuert Ihr die Belichtungszeit über den Timer des Fernauslösers. Oder Ihr haltet den Auslöser so lange gedrückt bis die errechnete Belichtungszeit verstrichen ist.
  10. Euer Bild ist nun im Kasten und Ihr habt die Aufnahme erfolgreich durchgeführt, sollte jedenfalls so sein 😉
Fließendes Gewässer mit ND Filter fotografiert.

Mit einem ND Filter sind solche Aufnahmen möglich.

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Thomas

About Thomas

Thomas Frohnert alias Picshots, ich bin begeisterter Fotograf seit 1994 und ambitionierter Photoshop Anwender. Ich liebe es Bilder zu erstellen und diese nach meinen Vorstellungen zu finalisieren. Weiterhin bin ich fasziniert von Foto- und Videotechnik und probiere gerne neue Sachen aus.

2 Comments Add Yours

  1. Thomas
    Thomas

    Hallo Leute,

    da ich nach der Veröffentlichung dieses Beitrages gefragt wurde, ob ich eine Empfehlung zu Variablen ND Filter geben kann, möchte ich diesen Information nun allen zugänglich machen. Ich selber habe leider nicht die Möglichkeit alle variablen Graufilter zu testen, habe dazu aber ein sehr gutes Video bei Youtube gefunden. Schaut es Euch einfach an.

    Das Video von Dave Dugdale ist leider auf Englisch. Für die Leute die kein Englisch verstehen, er testet in diesem Video 6 verschiedene variable ND Filter. Resultat des Videos ist, dass der Tiffen Filter qualitativ am besten abschneidet. Hier hab ich Euch diesen Filter mal verlinkt. Einfach auf das Bild des Tiffen ND Filters klicken.

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